Always-On auf einem Garmin mit AMOLED: was die 10-%-Regel wirklich bedeutet
Senkst du das Handgelenk, wird das Watchface auf einem AMOLED-Garmin fast leer: Die Uhrzeit bleibt, der Rest verschwindet, oft wandert die Anzeige ein paar Pixel. Das ist keine Nachlässigkeit des Entwicklers, sondern eine Regel der Plattform. Ein Watchface, das sie missachtet, wird nicht dunkler, es wird abgeschaltet.
Die drei Regeln
Im Always-On-Modus darf ein Connect-IQ-Watchface nur einmal pro Minute aktualisieren und nur einen Bruchteil des Displays erleuchten. Garmins eigene Entwicklerdokumentation bezifferte diesen Bruchteil auf 10 % der Pixel und ergänzte für die Venu- und Venu-Sq-Serie eine zweite Grenze: Kein einzelnes Pixel darf länger als drei Minuten leuchten. Die Drei-Minuten-Regel ist der Grund, warum so viele Always-On-Layouts langsam über das Display wandern, statt still zu stehen.
Mit API-Level 5.0.0 hat die erste Regel ihre Form geändert. Gezählt wird nicht mehr in Pixeln, sondern in Leuchtdichte: Das Display bleibt an, wenn das Watchface weniger als 10 % der gesamten Leuchtdichte des Displays nutzt. Das Budget bleibt gleich, gezählt wird anders, und das ist ein Gewinn: Du kannst mehr Pixel erleuchten, solange sie dunkel sind, oder wenige helle behalten. 100 % des Displays bei 10 % Helligkeit und 10 % des Displays bei voller Helligkeit liegen beide genau an der Grenze.
Was viele überrascht, ist die Durchsetzung. Es gibt keinen Warnhinweis und keine Prüfung, die das abfängt. Verstösst ein Watchface im Betrieb gegen die Regel, schaltet die Uhr Always-On für dieses Watchface ab. Dein Display wird beim Senken des Handgelenks dunkel, und das Watchface wirkt kaputt, obwohl es nur über dem Budget liegt.
Was das mit einem Design macht
Aus dem Budget folgen drei Dinge.
Der Hintergrund wird schwarz. Nicht dunkelgrau, schwarz: Auf AMOLED kostet ein unbeleuchtetes Pixel nichts, und jedes Pixel, das du einfärbst, zehrt am selben Budget, das die Ziffern brauchen. Ein Verlauf, der in der aktiven Ansicht edel aussieht, ist nicht mehr bezahlbar, sobald das Handgelenk sinkt.
Die Farbe verschwindet. Eine Akzentfarbe gibt es nicht umsonst, sie besteht aus leuchtenden Pixeln. In einer Always-On-Ansicht konkurriert sie mit der Lesbarkeit um dieselben 10 %, und die Lesbarkeit sollte gewinnen. Deshalb sehen gute Always-On-Ansichten einfarbig aus, und deshalb gibt ein Watchface, das im gedimmten Zustand seine Markenfarbe behält, sein Budget meist für Dekoration aus.
Grösse schlägt Strichstärke. Eine dünne, grosse Ziffer erleuchtet weniger Pixel als eine kleine, fette und ist auf Armlänge besser lesbar. Der Reflex, gedimmten Text fett zu machen, ist genau verkehrt herum.
Und dann ist da die Position. Auf den Geräten mit der Drei-Minuten-Regel muss sich etwas bewegen. Den ganzen Block alle paar Minuten um ein paar Pixel zu verschieben, erfüllt die Regel und verteilt zugleich die Abnutzung über das Panel, was wichtiger ist als die Regel selbst.
So prüfst du ein Watchface selbst
Den Quellcode brauchst du dafür nicht. Installiere das Watchface, stell das Display in den Einstellungen der Uhr auf Always-On und lass die Uhr ein paar Minuten mit gesenktem Handgelenk in Ruhe. Wird das Display von selbst dunkel, obwohl Always-On eingeschaltet ist, und sind Schlafmodus und Energiesparen ausgeschlossen, liegt das Watchface auf deinem Gerät über dem Budget. Bleiben die Ziffern auf Armlänge lesbar, ohne dass du das Handgelenk drehst, hat der Entwickler das Budget für die Uhrzeit ausgegeben und nicht für Verzierung.
Entwickler haben einen schärferen Test: Im Simulator den Einbrennschutz (burn-in protection) deaktivieren, ein AMOLED-Gerät auf dem aktuellen API-Level wählen und den Displaymodus auf Always-On stellen. Ein Watchface, das die Grenze überschreitet, wird gemeldet, statt stillschweigend schlechter zu werden.
Warum es die Regel gibt
Einbrennen ist keine Theorie. Es gibt dokumentierte Fälle von Garmin-AMOLED-Panels, die nach Jahren mit Always-On dauerhafte Geisterbilder zeigen, mit statischen Beschriftungen, die noch schwach sichtbar sind, während das Display etwas anderes zeigen sollte. Das Budget von 10 % und die Drei-Minuten-Regel sind die günstige Versicherung dagegen, und sie sind der Grund, warum eine gut gebaute Always-On-Ansicht fast leer aussieht.
Wie Umbra das löst
In Umbra behält die Always-On-Ansicht Uhrzeit und Datum gross, lässt alles andere weg, macht den Hintergrund schwarz und verschiebt die Position jede Minute; beim Anheben des Handgelenks kehrt das volle Layout zurück. Gemessen ist das im Simulator je Auflösungsklasse, nicht über Wochen am Handgelenk, deshalb steht hier kein Prozentwert.